Archiv der Kategorie: Politik

Kellogg’s-Gate: Die CIA lehnt sich zurück

US-Angestellte des Cerealien-Giganten Kellogg’s streiken. Mehrere wortgleiche Tweets, die einen solidarischen Boykottaufruf für ableistisch erklären, spalten wieder mal die US-Linke in einem epischen Shitstorm. Die CIA lehnt sich tatenlos zurück.

Lesezeit: ~7 Minuten

Content Notes: Ableismus

hi, someone with heavy food sensory issues here! frosted mini-wheats are one of the only things I can actually consume regularly and not get sick from. guilting people who can’t support boycotts is ableist as fuck but y’all aren’t ready for that conversation.

Am Mittwoch, dem 06. Oktober 2021, ruft ein Twitteraccount zu einem solidarischen Boykott mit den Streikenden Kellogg’s Angestellten auf. Wenige Stunden später gehen mehrere identische Tweets von verschiedenen Accounts viral, die den Druck zur Teilnahme an einem Boykott für ableistisch erklären, da Menschen mit sensorischen Verarbeitungsschwierigkeiten auf spezifische Nahrungsmittel, in diesem Fall Kellogg’s Frostys, angewiesen sein können. Es ist umstritten und für mich nicht mehr nachvollziehbar, ob diese identischen Tweets einen echten Ursprungstweet parodieren, oder als gezielte Desinformationskampagne gegen den Boykott gesetzt wurden (oder beides).

Innerhalb kürzester Zeit reichten Gegenpositionen von Belustigung über übliche Verurteilung von Identitätspolitik bis hin zu konkreten Vorwürfen der Entsolidarisierung oder sogar gezieltem Streikbrechen. Für mich war dieses Thema am 6. Oktober dann bereits wieder abgehakt, bis ich 3 Tage später immer noch hitzige Debattenthreads dazu in die Timeline gespült bekommen habe, die sich in einem ewigen Zyklus aus Identitätspolitikvorwürfen und Ableismusgegenvorwürfen drehen. Meine These: Ihr habt alle Unrecht.

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[Repost 2019] Gedanken, die sich Weiße nach den Landtagswahlen nicht machen müssen

Die Bildung einer rechten Bundesregierung scheint realistischer denn je. Für BIPoC in Deutschland ist das eine existentielle Bedrohung.

Lesezeit: ~3 Minuten

Content Notes: Faschismus, Rechte Terroranschläge, Abschiebung, Völkermord

[Diesen Text habe ich 2019 nach den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen für die Süddeutsche Zeitung geschrieben. Die zuständige Redakteurin hat sich zur Veröffentlichung mehr Offenlegung meiner individuellen Rassismuserfahrungen gewünscht, was ich als unvereinbar mit der strukturellen Kritik des Textes betrachte. Eine weitere Zusammenarbeit zwischen der Süddeutschen Zeitung und mir gab es nicht.

Während ich heute, fast exakt 2 Jahre später meinen flehenden Appell an weiße Menschen und den Mangel eines Durchschauens bürgerlicher Faschismusnähe für naiv halte, behält der Text als Dokument der emotionalen Auswirkung von Wahlergebnissen, gerade so kurz vor der Bundestagswahl 2021, seine Relevanz.]

Am 1. September 2019 fanden in Brandenburg und Sachsen, zwei Bundesländern mit einem Ruf der politisch rechten Radikalität und wirtschaftlicher Rückständigkeit, Landtagswahlen statt. Während CDU und SPD in beiden Wahlen unterschiedlich abschnitten, sind 2 Parallelen aus den Ergebnissen ersichtlich: Etwa ein Viertel der Wähler stimmte für die rechtsradikale Partei AfD, während nur knapp unter 20% für links ausgerichtete Parteien ihr Kreuz machten.
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